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Ein schwerer Traum.
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Chlorophyll



23. November


Man gerät in Situationen wie diese.
Rasend schnell.
Schneller als man verstehen,
kapieren,
nachvollziehen kann.

Wir werden bedroht.
Wir werden geschubst,
beleidigt,
erpresst.

Und ich habe Angst,
mir bebt das Fleisch,
ich sehe meine Haarspitzen zittern.
Mein Atem zieht weiße Spuren in die Luft.

Klammere mich an die vertraute Jacke.
Doch sie packen ihn und ziehen ihn weg von mir.

Ich möchte, dass es vorbei ist.
Ich will, dass es vorbei ist, sofort.
So schnell wie möglich und deswegen
sage ich nichts.

Gib ihnen das Geld, denke ich.
Gib ihnen schnell das Geld und sei ruhig.
Nur ruhig.
Dass sie verschwinden.

Doch sie schlagen ihn.
Es macht ein Geräusch,
wie sie ihn treffen,
ins Gesicht.
Und es schmerzt.
Lässt meine Gliedmaßen ertauben.
Und ich zerre an ihnen.
Lasst ihn in Frieden, das schreie ich.
Lasst ihn in Frieden.

Doch sie stoßen mich weg,
und lachen
und schenken mir keine Beachtung mehr.

Und sie schlagen ihn noch einmal.
Ich sehe Erschöpfung in seinem Gesicht.
Es schmerzt! Es schmerzt mich so sehr.
Ich.
Ich sehe auf dem Boden etwas liegen.
Renne, wie blind,
in völliger Raserei,
um der Hilflosigkeit zu entkommen.
Tut ihm nicht weh!
Unerträglich schmerzt es, wenn ihr ihm weh tut!

Und hole aus in blanker Wut und
zornigem Hass,
aufgerissene Augen,
ziepende Haut,
schmerzende Muskeln.
Tut ihm nicht weh!

Treffe.
Treffe den Schläger am Kopf.
Dass er fällt.
Und mich in Atemlosigkeit,
in Erleichterung,
in unausprechlicher Genugtuung stehen lässt.
Unbegreiflich.

Tut ihm nicht weh.
Mehr will ich nicht.
Kommt ihm nicht zu nahe!
Ich werde euch alle abhalten,
komme gegen euch alle an.

Ich weiß, ihr seid viele.
Ich weiß, ihr seid in der Überzahl.
Aber ich muss treffen, muss schnell sein.
Das Adrenalin schießt mir in den Körper,
gibt mir Energie.
Genauigkeit.
Ich brauche alle Kraft.

Bleibt weg von ihm.
Und es wäre mir egal, würdet ihr mich schlagen,
doch wer beschützt ihn dann?!
Ich muss aufrecht bleiben.

Luft holen.
Luft holen.
Sie kommen auf mich zu.

Kommt nur her, sage ich.
Meine Tonlage, meine Stimme ist mir fremd.

Umkrampfe den Knüppel.
Ein abgebrochener Ast.
Stämmig.
Schwer liegt er in der Hand.
Die Armmuskeln zucken.
Alles was ich habe, ist dieser Knüppel und
ihn, den es zu beschützen gilt.

Und plötzlich kommt noch einer hinzu.
Hinter einem Auto hervor.
Zu dem sie sich umsehen,
innehalten.
Lachen und grüßen.
Und ich werde nur noch verzweifelter.

Gut jetzt, sagt er.
Bestimmt.
Sie schauen alle.

Genug, sagt er noch einmal.
Und sie gehorchen.
Einer meckert, doch vergräbt die Hände in den Taschen.

Er schaut mich an.
Der Boss.
Er sieht nicht aus wie einer,
doch ist er es wohl.

Es interessiert mich nicht,
was er will.
Alles außer Gewalt soll er kriegen.
Wenn er uns dann in Frieden lässt.

Ich sehe nun hin,
wie sie ihn getroffen haben.
Er steht, doch verzieht das Gesicht.
Aus seiner Nase zieht das Blut dicke Spuren.

Ich sage 'Oh Gott.' und
lasse den Knüppel fallen.
Meine Deckung,
meine Waffe.
Ich kann nur noch hinsehen.
Es tut mir leid, sage ich.
Bitte, sage ich und sage es noch einmal.

Gebe ihm Taschentücher,
streichle seine Arme,
möchte sein Gesicht küssen,
um es besser zu machen.

Es geht, sagt er, Es geht schon.
Wie geht es ihm?, fragt er,
nickt in die Richtung des Schlägers.

Ich habe vergessen.
Was ich getan habe.
Nicht registriert.
Kann es nicht entschuldigen,
mit nichts.
Dass es mir die Beine wegzieht.

Gehe hin,
sehe Blut auf dem Boden.

Er liegt auf dem Bauch,
die Wange auf dem eiskalten Asphalt.
Und sein Gesicht wirkt harmlos,
doch macht es mir Angst.
Du hast ihn geschlagen!, denke ich.
Doch versuche es zu verdrängen.

Hol Bitte Hilfe!, höre ich mich rufen.
Ich rufe es.
Bin heiser.

Jemand tritt neben mich.
Ich sehe auf.
Sehe den Boss,
der sich hockt.
Nah heran.
Dass ich seine Körperwärme fühle.
Wünschte, er wäre noch näher.
Mir ist schrecklich kalt.

Höre meinen Freund telefonieren.
Ein junger Mann, verletzt am Kopf, sagt er.

Es tut mir leid.
Ich flüstere es und weine.
Weine Tränen, die ziepen
auf meinen kalten Wangen.

Die Wange des Schlägers muss auch kalt sein.

Muss ihn herumdrehen.
Er ist schwer, doch ich schaffe es.
Setze mich hin, ziehe seinen Kopf auf meine Beine.
Seine Haare, sie sind braun,
nur in einem Streifen so lang,
dass ich sie ihm aus dem Gesicht streichen muss.
Die Seiten kahl geschoren.

Dickflüssig klebt Blut an seiner Stirn.
Der Aufschlag auf den Boden ist Schuld.

Ein Tropfen Salzwasser trifft seine Augenbraue.
Ich wische sie mit dem Daumen weg.

Der Boss hockt noch immer an dem selben Fleck.
Er sieht mich an.
Mit düsteren Augen.
Die Lippen aufeinander gepresst.

Was denkt er wohl?
Es wäre nur sein Recht sauer zu sein.
Vielleicht wird er mich aufsuchen,
sich rächen.
Das wäre nur gerecht.

Es tut mir leid, sage ich wieder.
Es tut mir leid.



24. November

An den Sachen hängt der Geruch von Blut und Zigaretten.
Doch mehr habe ich nicht.
Ziehe die Hose über meine nackten Beine.
Den Pullover über den Kopf,
bedecke meine Brüste, meinen Bauch.

Muss nach Hause.
Möchte bei ihm sein, doch muss auch nach Hause.
Beuge mich zu ihm herunter,
küsse den stillen Mund.
Soll er schlafen.

Auf einem Zettel steht
Ich liebe dich.
In eiliger Schrift, doch er weiß,
es bedeutet mehr.

Vor der Tür erwartet mich kalte Luft.
Und ich ziehe den Reißverschluss zu bis zum Hals.

Kleine Regentropfen ziehen ihre Bahnen.
Die Luft wirkt grau, doch ist es nur der Himmel,
die Straße und die Häuser.
Ich atme graue Luft, so scheint es.
Graue Luft, die mich nicht betäuben kann.

Ich habe nicht gut geschlafen.

Und nun wird es bereits wieder dunkel.

Ich laufe und der Boden unter meinen Füßen ist härter als sonst.
Ich kann es nicht erklären.

Hey, ruft jemand.
Ich schaue nur über meine Schulter hinweg.
Bin ich gemeint?
Ich sehe den Boss und er kommt zu mir.
In ruhigem Schritt.
Bestimmt. Wie seine Worte.
All seine Bewegungen sind durchdringlich.
Kleine Befehle jeder Blick.

Ich warte. Ich bin erschrocken.
Doch warte ich auf ihn.
Sage 'Hallo' statt 'Guten Abend'.
Er nickt nicht.
Bleibt vor mir stehen.
Sieht mir in die Augen, undurchdringlich.
Auf seiner Wange klebt ein Pflaster.
Ein Schnitt, den er damit nicht verdecken kann.

Du bist verletzt, sage ich.
Bemerke es zu spät,
halte mir die Hand vor den Mund.
Unpassende Vertrautheit!

Und es funkelt etwas hervor,
direkt aus seinen Augen.

Ich schlucke.
Und er sagt nichts.

"Ich muss nach Hause."

Unbeweglich.
Nur seine Gesichtsmuskeln schienen sich zu verkrampfen.
Doch so wenig, dass ich mir nicht sicher bin.

Ich frage, doch weiß nicht recht warum,
ob er mich begleiten möchte.
Und da sagt er 'Ja' und es ist das erste,
das ich von ihm höre seit wir hier stehen.

Wir laufen.
Und die Autos, die uns passieren,
hinterlassen ein Rauschen in meinen Ohren.
Wiederholend.
Die Stille überbrückend.
Und seine Schuhe sind schwarz.

An der Tür hängt er die Jacke über meiner ab.
Läuft durch den Flur in die Küche.
In schwarzen Socken.
Und es ist befremdend ihn hier zu haben.

Mittlerweile ist auch der Himmel schwarz.

Meine Mutter hält eine Kaffeetasse in der Hand.
Steht an der Kochplatte gelehnt.
Lässig.
Die Augen müde.
Doch blickt erstaunt, ein wenig...
Entsetzt.
Auf meinen Besuch.

Ich sage ihr Hallo,
ein paar Worte mehr und daraufhin geht sie.
Ihr besorgter Blick ist vielsagend.
Dennoch lässt sie uns allein.

Und ich koche uns Kakao,
erhitze die Milch im Topf.
Ohne zu fragen, ohne mich darüber zu wundern,
erscheint es mir passend und richtig.

Wir schweigen währenddessen.
Wir schweigen auch während wir warten,
während wir trinken,
und dann wieder warten.

Und ich denke,
ob der Schläger ihm viel bedeutet,
ein guter Freund ist.
Doch sah er stumm und regungslos zu,
wie der Krankentransport davon fuhr.

Am Abend beziehe ich das Sofa für ihn.

Und es war wichtig, dachte ich.

Es war meine Pflicht, dachte ich.




12. Dezember


"Du kennst mich! Du weißt, was ich denke."

Er schweigt.
Ich höre so viel Schweigen,
ich höre so viel Unausgesprochenes in letzter Zeit.
Bin ich zu dumm, zu verstehen?
Sagt ihr deswegen nichts?

"Fakt ist, dass du dich mit diesen Menschen beschäftigst."

Noch mal von vorn.
Er beginnt das dritte Mal.

"Du triffst dich mit einen von ihnen und das öfter als mit mir."

Und er sieht mich dabei nicht mehr an.
Eine Tortur.
Doch wir müssen das besprechen,
er meint, dass wir das unbedingt müssen.
Klären.
Und verhandeln.

"Das kannst du nicht abstreiten."

"Das tue ich auch nicht. Ich möchte nur erklären."

"In Ordnung."

Er lehnt sich zurück.
Doch sein Gesicht ist versteinert.

Und ich weiß nicht,
wie ich ansetzen soll.
Öffne nur den Mund und versuche.
Kann mich zu lange nicht entscheiden,
wie ich beginnen soll.

"Du kannst es nicht erklären?"

"Ich hatte ein schlechtes Gewissen."

"So weit waren wir, ja."

"Ich bin..."

Es ist ausweglos.
Heute wird das nichts,
ich bin unkonzentriert.
Doch wenn ich gehe,
ohne zu beschreiben,
kann er nicht verstehen und wird weiterhin
völlig grundlos
sauer sein.

"Du bist eifersüchtig auf etwas, das..."

Ich schüttle den Kopf.

Und während ich denke.
Und mich eigentlich nur zusammenkauern möchte.
Klingelt es in meiner Jackentasche.

Wir sehen auf,
einander kurz an.

Bis ich aufstehe und das Handy heraushole.

In einer halben Stunde im Park.

Sehe auf die Uhr,
den Sekundenzeiger rennen.
Ziehe mir die Jacke über
und werde den Bus nehmen müssen.

"Ich muss los."

"Natürlich."

Er seufzt nicht.
Er ist zu aufgebracht und es ist meine Schuld.
Aber ich weiß es nicht besser zu machen.

"Es tut mir leid."

Gehe zu ihm und er nimmt meine Hand.
Küsst den mittelsten meiner Fingerknochen.
In allzu sanfter Manier.
Dass es mich vor Wehmut zittern lässt.

"Bald kann ich es dir erklären. Bitte. Ich weiß es selbst noch nicht."

Und er nickt nicht,
lässt nicht los.
Sodass ich mich zuerst regen muss,
ihn allein lasse.

Die Straße renne ich bis hin zur Haltestelle.
Der Schmutzfilm auf meinen Schuhen trocknet,
ebenso wie die Straßen
und die Dächer.

Der Bus brummt ruhig,
doch biegt um Kurven in solcher Hektik.
Ich möchte die Stirn nach vorn gegen die Kopfstütze fallen lassen.
Doch das Ruckeln,
das macht nichts besser.

Die Stufen aus der Tür hinaus,
die sich träge und laut auseinander schiebt,
sind schmutzig.
Getrockneter Schlamm,
Steinchen.
Ein weißer Kaugummi wirkt wie Schnee.
Eine weiße Schneelandschaft mitten im Morast.

Ich denke daran,
während ich laufe.
Die Luft ist kalt.
Und ich tröste mich an dem Anblick eines Vogels.
Ein Spatz.

Mache mir Sorgen.
Aufgrund des Streites.
Meinetwegen.
Und weshalb er ein Treffen wollte.
Ganz plötzlich.
Mitten am Nachmittag.

Und als er in mein Blickfeld gerät
- er sitzt auf einer Bank,
eine Zigarette zwischen den Fingern-
möchte ich stehen bleiben
und ihn eine Weile nur beobachten.
Und tue es tatsächlich.
Bleibe stehen.
Und schaue nur.
Und warte auf irgendetwas.
Irgendetwas.

Etwas Schicksalveränderndes.
Etwas Großes.

Aber eigentlich...

Er sieht herüber.
Wirft die Kippenstange weg.
Achtlos auf den Schotter des Parks.
Dass sie verglüht,
von selbst erlischt.

Dann steht er auf,
mit beiden Händen in den Jackentaschen.
Der klare Blick in meine Richtung.

Kommt bei mir an ohne ein Wort.

Sodass wir uns gegenüber stehen.
Seine Körperwärme,
die ich mag und schätze,
die ich heute so sehr brauche,
wie an dem Tag auf dem Parkplatz.
Als wir beide auf den Bewusstlosen sahen.

Eigentlich...

In seinen Ohren sind Hörstöpsel.
Schwarz.
Ich bemerkte sie nicht gleich.
Doch nimmt er einen der beiden heraus
und steckt ihn behutsam,
langsam,
mit einer gleitenden Bewegung,
so wie alle seine Bewegungen sind
-gleitend, fließend-,
in mein linkes Ohr.








22. Dezember

Es sind fünf Stufen aus der Berufsschule.
Die Sonne gewinnt nur träge gegen die Wolken.
Scheint nur träge.
Wärmt nicht.

Ein kalter Wind lässt mich frieren.
Augenblicklich.
Und ich hebe die Schultern und senke den Kopf.

Er wartet auf dem Schulgelände noch.
Nicht hinter dem Tor.
Und wir werden gesehen.
Ich fühle mich schuldig,
aber kann nicht anders.

Ich denke.
Und ich grüble.
Aber es scheint nur logisch,
sobald ich ihn sehe,
dann auch bei ihm sein zu wollen.
Ein natürlicher Verlauf der Dinge.
Ich möchte es in Worte fassen und mich erklären.

Er sitzt noch auf dem Fahrradsattel,
beide Füße auf dem Boden,
einen Kaugummi im Mund.
Spuckt ihn aus,
drei Schritte bevor ich bei ihm bin.

Meine Freude,
in seine Augen sehen zu können,
ist besorgniserregend.

Das weiß ich.

Ich setze mich auf den Gepäckträger.

Der Wind schlägt mir ins Gesicht,
als ich an ihm vorbei auf die Straße schaue.
Und ich denke,
dass es mich nicht interessiert,
wohin wir fahren.
Und lehne die Wange an das dunkle Sweatshirt.

Es interessiert mich nicht.
Doch wenn ich gesehen werde...
Darüber möchte ich nicht nachdenken.

Ein Ampelmännchen ist glutrot.
Wir halten.

Er dreht seinen Kopf zu mir herum,
fragt mich,
ob ich friere.
Und seine Sorge scheint mir neu.
In dieser Offenheit.
Oder überhaupt.

Sobald das Piepen der Ampel ertönt,
drückt er sich ab und wir fahren weiter.

Doch nach ein paar Metern hält er wieder.
Bittet mich abzusteigen
und ich tue es.
Laufe um das Fahrrad herum
als er regungslos bleibt.

"Es wird anfangen zu regnen."

Ich schaue in den Himmel und stimme ihm zu.

Als er sich aufrichtet,
verdreht sich das Rad seitlich
und ich fasse den Lenker,
stelle es wieder gerade,
halte mich fest.
Hindere ihn am Davonfahren.

Davor habe ich Angst.

"Du bist's." ,sagt er.

Und natürlich weiß ich nicht,
was er meint.
Aber es klang gut,
wie er es sagte.
Angenehm,
in meinen Ohren klingt es nach.

Sein Blick auf meine Nase gerichtet.

Ich hebe die rechte Hand aus meiner Jackentasche,
hinauf zu seinem Ohr,
tiefer,
mit Fingerkuppen in seinem Nacken.
Und küsse seine Lippen.
Das alles in wenigen Sekunden
und vor Aufregung habe ich Gänsehaut
und verkrampfe die linke Hand an dem Fahrradlenker.

Entferne mich nur langsam,
sodass unsere Oberlippen,
die nur lauwarm sind,
kurz aneinander kleben bleiben
und sich nur schwermütig trennen möchten.

Zitternd ausatmend,
heiße Luft,
in seine Augen aufblickend,
drücke ich die Seite meiner Nasenspitze
an die seine.

Mit einer kalt schwitzigen Hand,
fahre ich wieder vor,
durch feine Härchen,
den Hals bis unter das Kinn.

Ein langer Atemstoß aus seiner Nase
streift meine Lippen.
Dann nimmt er den Kopf zurück,
dass meine Hand hinabfällt.

Sieht mich an.
Und fährt davon.
Mit der Hand an jenem Fleck auf dem Lenker
wo gerade noch meine lag.




28. Dezember

Die falschen Anrufe.
Ich kann mit meinem Freund nicht reden,
während ich an einen anderen denke.

Hämmere nur drei Zeilen in den Display,
die ihn abwehren,
aber nicht beruhigen.
Ich weiß das.
Aber ich kann nicht...

Auf der Suche nach ihm,
weil er sich nicht meldete,
einfach nicht reagierte,
geriet ich an diese Typen.
Ihre Gesichter sah ich zuletzt,
als sie meinen Freund schlugen.

Dass ich diesmal wenig Angst habe,
ist unverständlich.
Mein Herz pocht nur dumpf in meiner Brust.
Ein unterdrückter Rythmus.

Ich seufze ungeduldig und enttäuscht,
als sie von Revanche reden.
An die ich keinen Gedanken verschwenden will.
Ich lasse mich schubsen.
Bin davon nicht eingeschüchtert,
nicht wie das letzte Mal,
völlig ratlos.

Das Wetter ist ebenso ungestüm.
Raue Winde.

In was für Situationen das Leben mich geraten lässt...

Ich erschrecke,
als mich ein Handrücken im Gesicht trifft.
Hart und plötzlich.
Der Schlag schleudert meinen Kopf herum
und ich schwanke seitlich.
Meine Arme hängen fassungslos an mir herab.

An mein Ohr dringt Geschrei,
meine Augen sehen eine vernähte Wunde.
Ach verdammt, denke ich.
Ach.
Verdammt.

Und mein Hals ist trocken.

Dann trifft es mich nochmals.
Diesmal lässt der Schmerz es fiepen.
In meinem Kopf.
Es zwirbelt und brennt in meiner Wange.

Und wieder Geschrei.

Ich hebe den Blick und sehe einen Rücken.
Zuerst denke ich, es ist seiner.
Und strecke die Hand aus.
Doch es ist nicht seine Jacke.
Es ist nicht sein Rücken.

Das Gesicht, das sich mir zuwendet,
ist mir unbekannt.
Doch runzelt es die Stirn.
Besorgt und freundlich.
"Ich weiß, wer du bist", sagt er.
Und ich möchte fragen.
Wer bin ich?!

"Du willst mit ihm reden?"
Und ich nicke.

In was für Situationen das Leben mich geraten lässt...

Glatzen glänzen in jeglichem Licht.
Ich sehe hin.

Das Auto ruckelt.
Nicht so schlimm, wie die Busse.
Doch es ist alt.
Stinkt nach Auspuffgasen, Zigarettenqualm,
nach Kotze und Energydrinks.

Glatzen glänzen wie Löffel.
Und ich sehe weg.

Wir halten vor einem Mehrfamilienhaus.
In ausgeblichener Farbe.
Die Klingelknöpfe sind alt. Plaste. Gelb.
Doch die Eingangstür steht offen.
Ich steige zwei Etagen.
Und dort sind die Klingeln aus Metall.

Seine Schwester öffnet die Tür.
Braune Haare in Zöpfen.
Ich lächle,
die Wange brennt,
sage "Hallo".
Und ihre Augen sind kugelrund,
als sie mich hereinlässt.

Meine Stiefel fallen um,
so ausgezogen,
doch sie fallen nicht auf.

Er steht im Türrahmen.
Ich beiße auf meine Lippe.
Folge ihm,
als er sich herumdreht.
Im Zimmer verschwindend.

"Ich hab dir gesagt-" ,fängt er an,
da ist die Tür noch nicht zu.

"Ich weiß."

Dass ich seinen Kumpels nicht unter die Augen treten soll.

Der Raum ist klein.
Es hängen weder Poster noch Bilder an den Wänden.
Ein zerwühltes Bett,
ein wackliger Schrank.

Ich trete einen Schritt zurück,
stoße mit der Ferse gegen die Tür,
als er näher kommt.

Es scheint mir unberechenbar zu sein.
Dieser Tag, diese Situation.
Ich rechne mit einem Erdbeben.
Mir ist nicht gut.

Dann senkt sich die Klinke.
Ich gehe zur Seite
und verschwinde hinter dem sperrigen Holz.

"Kannst du die Zwillinge windeln?"

Er antwortet nicht,
sondern nickt zu mir.
Und eine Frauengestalt tritt in mein Sichtfeld.
Noch jung. Und schlank.
Ich begrüße sie, versuche höflich zu sein.
Doch weiß ich, dass meine Wange dunkelrot ist.

Sie mustert mich.

Ein Kind in Strumpfhose und Pullover,
ein blauer Schnuller im kleinen Mund.
Sie hält es fest.
Mit einem Arm.
Es lehnt auf ihrer Taille.
Unter den braunen Löckchen schauen dunkle Augen hervor.

"Wie heißt du?", sie fragt es in harschem Ton.
Auf ihrer Stirn sind Falten.

Ich antworte ihr.
Dass sie den Nachnamen wissen wollte,
war unüberhörbar.

Sie tauscht einen Blick mit ihrem Sohn.
Der presst die Lippen aufeinander.
Und ich weiß nicht, was geschieht.

"Es wäre besser, wenn du gehst. Wir werden gleich einkaufen fahren."




30. Dezember, 02:40 Uhr

Sein Blick ist trüb.
Und ich möchte tröstend sein,
vielleicht beruhigend.

"Weswegen sorgst du dich?", frage ich.

Auf seinen Hosen sind dunkle Flecken.
Regentropfen, die im Stoff hängen und träge trocknen.
Er sitzt auf der Kante meines Bettes.
Mit hängenden Schultern,
wie ich sie bei ihm noch nie sah.

Ich habe die Befürchtung,
einer seiner Geschwister ist krank.

Es ist halb zwei.
Und meine Nachttischlampe ist das einzige Licht.

Er streckt den Arm aus.
Ich sehe ihn an und treffe seinen Blick.
Müde sieht er aus.
Ich gehe einen Schritt und er greift nach mir,
zieht mich heran und ich sehe,
von oben herab,
dunkle Haare,
die ihre Nässe nun an meinem Nachthemd verteilen.
Erst kalt.
Dann wärmer.

Wie traurig muss er sein...

Feuchte Ärmel.
Er muss frieren.

Ich lege beide Hände auf seine Schultern.
Und seine sind an,
dann unter dem Bund.
Ziehen mein Nachthemd langsam,
aber nicht zögernd,
fließend,
nach oben.
Über Taille,
Oberkörper,
Kopf.
Und er lässt es sinken auf seine Oberschenkel.

Er schaut auf und ich schaue herab.

Ich bin traurig,
kann es nicht leugnen.

Wie seine Finger,
kalt und zitternd,
unter meinem Unterhemd die Haut streicheln.
Mich mit unterdrückter Gewalt noch näher ziehen,
seine Knie an meinen Schenkeln.

Und seine Handflächen legen sich passend,
als gehörten sie da hin,
oder ich bilde es mir nur ein,
mit tiefer Richtigkeit,
an meine Schulterblätter.
Die Ellenbogen in perfektem Winkel.
Die Lippen und die Nasenspitze an meinem Bauch.

Und meine Muskeln schmerzen,
ich fühle mich überdehnt.

"Deine Mutter hasst mich." ,sage ich,
flüstere es viel mehr.
Es ist so spät.

Noch ein Kuss unter den Bauchnabel.
Die Hände gleiten herab,
hinterlassen schwitzige Spuren.
Landen auf seinen Knien,
die Daumen gegen meine Oberschenkel gepresst.

Er nickt.

Mit dem Mittelfinger streiche ich seine Ohrmuschel entlang.
Ein Ohrring bildet einen Widerstand,
an dem ich kurz halte,
ihn abtaste,
dann weiterfahre.

Sein Kopf kippt ein wenig zur Seite.
Ich sehe Wimpern,
die schwarz und filigran aussehen.
Er sieht auf meinen Slip auf dem sich weiße Blumen
auf rotem Hintergrund abwechseln.

Noch einige Minuten halte ich still,
wartend,
doch es ist spät.
Es ist sehr spät.
Und ich setze mich neben ihn.

Sehe ihm zu, wie er sich mit der Zungenspitze,
langsam,
über die Oberlippe fährt.
Eine Verzögerung.
Dann schaut er herüber.
Das Licht,
dass sich in seinen Augen verfängt,
erschreckt mich kurz.

Und wie er vor meinen Lippen noch einmal innehält,
die Hand neben mir auf dem Bett abgestützt,
denke ich,
dass der Kuss nicht so unschuldig wird,
wie der vorige.

Er ist lang,
beinahe lässt er mich ersticken.
Doch friedlich, trotz seiner spürbaren Sorgen.
Unsere Zungen treffen sich kurz,
eine warme Berührung und dann lässt er ab.
Die Hand noch abgestützt,
das Gesicht noch nah.

Wir schlafen bald ein.
Trotz der Gedanken, die wir haben.
Sein Körper ist kalt,
die Arme, der Hals, die Zehen.

Aber unter meinen Händen erwärmt sich sein Fleisch.




30. Dezember, 11:13 Uhr

Mutter ist nicht zufrieden.
Sie ist beinahe verärgert,
doch viel mehr besorgt.

Sie spricht von Verantwortung.
"Du musst dich entscheiden" ,sagt sie.
"So verhält man sich nicht" ,sagt sie.

Und ich gebe ihr Recht.
Mit Mimik und mit Gestik.
Aus ganzem Herzen.

Ich weiß, so verhält man sich nicht.

Im Hintergrund läuft die Toilettenspülung.
Sie wirft einen Blick Richtung Flur.
Dann seufzt sie,
dann sieht sie mich an,
mahnend.
Dann seufzt sie noch einmal.

"So behandelt man Menschen nicht, die man gern hat."
Sie räuspert sich.
"Dafür gibt es keine Rechtfertigung."

Sie greift nach ihrer Jacke,
wirft sie sich über,
die Haarspitzen unter dem Kragen verborgen.

"So habe ich dich nicht erzogen.", sagt sie.
Und greift nach ihrer Handtasche.

Ihre Schuhe knarzen,
sie gibt mir einen Kuss auf die Stirn,
streicht mit ihren langen Fingern über meine Schläfe
die Haare nach hinten.
Ich sehe zu ihr auf und nicke.
Ja, ich werde das regeln.

Da kommt er ebenfalls in die Küche
und sie verabschiedet sich.
"Macht euch etwas warm" ,sagt sie.

Die Haustür schlägt zu,
die Schlüssel klappern,
Stille.

Er ist so schweigsam.
Seine Sorgen drücken auch auf mich.
Heut möchte er sie mir verraten,
das hat er versprochen.

Ich trinke einen Schluck Saft aus meinem Glas.

Seine Hände liegen auf dem Tisch.
Der Zeigefinger wippt ein paar Mal,
bevor er sich dazu entschließt,
sich meinem kleinen Finger unterzuhaken.
Lose.
Es ist mir kaum genug.
Nicht im geringsten.

Es ist mir so wichtig, dass er da ist.

Ich weiß nicht, wie ich es klären soll.

Zu vieles ist mir wichtig.

An seinem Arm prangen Flecken,
die blau und grün aufleuchten.
Manchmal frage ich mich,
wie hart seine Fäuste sich wohl anfühlen mögen.
Wenn sie gezielt treffen.

Und das tun sie.

"Mein Vater heißt Thomas Hartmann."

Ich blicke auf.
Die Sonne blendet mich.
Sehe ihn nur durch zwei Schlitze.
Bin davon umso abgelenkter.
Kann erst recht nicht kapieren.

"Wie bitte?" ,frage ich.

Und dass wir Geschwister sind,
das kapiere ich auch wirklich erst zehn Minuten später.
Als er es mir,
wie einem Kind,
erklärt.

Mittlerweile hält er meine Hand vollständig
und nicht mehr lose,
während er sich mit der anderen bemüht,
in einer beängstigenden Verzweiflung,
die Fassungslosigkeit aus meinem Gesicht zu wischen.

Was hat das zu bedeuten?
Was hat das für uns...





31. Dezember

Am Flussufer sammelt man sich.

Ich wollte sagen
"Schatz, ich habe keine Lust auf Silvester."
und
"Tut mir leid, Schatz, ich werde zu Hause bleiben."
doch stattdessen umklammere ich seinen Arm.

Eine Wunderkerze zischt
und wirft ihre glühenden Funken
auf die kalte, festgetretene Erde.

Glühwein dampft aus Pappbechern.
Gemurmel und Lachen von ringsherum.

Ob ich friere,
fragt er.

Diese Frage, herrje.
Bei dieser Frage und bei dem Anblick des Wassers,
bei dem Gefühl von Wärme neben mir
und sobald ich die Augen schließe, denke ich an meinen Halbbruder.

Ich trichtere es mir ein.
Meinen Halbbruder.
Halbbruder.

Und ich vermisse seine Lippen.

Was kann ich tun, außer trauern?

Sehe neben mich und frage mich.
Was empfinde ich für ihn?
Er ist noch derselbe.
Und ihn liebte ich seit mehr als einem Jahr.
Wo ist es hin?

Ich sehe nur noch ihn.

Der Zeiger rückt in Richtung zwölf.

Und bald sehe ich bekannte Gesichter.
Ich sehe eine heilende Wunde, an der ich Schuld bin.
Ich sehe Glatzen.

Irgendwie wusste ich es.
Und irgendwie hoffte ich es.
Doch ich weiß auch,
dass ich etwas fürchten sollte.

Von weitem schaffen wir einen Blickkontakt.
Ich halte eine andere Hand in meiner.
"Komm nicht her", denke ich.
Warte.

Doch er erhört mich nicht.
Ich möchte ihn ja auch sehen!
Aber dieser Ausdruck in seinem Gesicht,
der gefällt mir nicht.

Mein Freund. Mein Bruder.
Und ich dazwischen.
Gegenüberstehend.
Wie viel Konfrontation muss ich noch ertragen?

Fingerkuppen drücken in meine Hand.
Ich weiß, er wird sich nicht aufregen.
Aber ich weiß auch, dass es ihm nicht gefällt.
Bleibe ruhig, wenigstens du.

Wir sagen nichts.
Er sieht mich an, zornig.
Dann flüstert er,
es klingt harsch,
es klingt nach...
Verzweiflung,
"Tu mir das nicht an."

Und ich kann mich nicht regen.

Eine unausgesprochene Drohung,
die lauter knistert als ein einzelnes,
grün explodierendes,
Feuerwerk am Himmel.

Und dann packt er ihn am Kragen der Jacke.
Aus meinem Hals kommt ein Ton,
meine Augen sehen wie die Glatzen herüberschauen.
Sie warten und oh Gott, ich bete, lass es nicht so weit kommen.

Ein Hieb mit der Faust lässt sie johlen,
lässt mich wimmern,
meine warmen Finger brennen sich wie Feuerfunken
in die Kälte meiner Wangen.

Das Lachen und freudige Aufrufen,
die Lichter und das Knallen ist eine Last,
ein sarkastisches Gewicht,
das mich weinen lässt.

Ich fühle nichts von Vorfreude und Silvester!

"Hör auf!", sage ich,
will es nicht schreien,
kann es nicht schreien
und er sieht mich an.

Die Faust bereit zum nächsten Schlag.
Eine blutige Augenbraue bereits geschaffen.

Und er ist so willig,
sein Blick glänzt vor Aggressivität,
seine Muskeln zucken vor Euphorie.
Der Kiefer ist gespannt,
die Knochen malmen.

Und wie die Sekunden dabei vergehen,
drückt mir jeder Atemzug auf die Brust.

Noch ein Mal.
Er trifft in hervorragender Manier,
seine Kunst ist so ausgereift,
dass der Anblick bereits tiefer schmerzt,
als der wirkliche Schlag es würde.

In der gleichen Bewegung noch lässt er ab,
ein wenig befriedigter,
doch etwas stimmt nicht.
Taumelt zwei Schritte,
dann spuckt er Magensäfte aus,
die sich weiß und gelb auf der dunklen Erde verteilen.
In drei großen Krämpfen kotzt er,
dass es ihm die Kraft aus den Beinen zieht.

Beide sind nun auf den Knien.

Der eine bereits von drei Freunden umsorgt,
mit empörten Stimmen eingelullt,
der Ungerechtigkeit bestätigt.

Der andere ignoriert.
Als Verlierer nunmehr uninteressant.

Und ich in dieser Mitte.
Stehe vor einem lösbaren Problem.
Doch ganz so einfach ist das nicht.

Der Himmel versinkt in tausend Farben
und schier endlosem Rauch.




05. Januar


Die Hand an meiner Hose reibend,
versuche ich,
die Abdrücke der Türkanten in ihr verschwinden zu lassen.

Ich lehne mich zu sehr an sie.
Ich lehne mich viel zu sehr.

'Ich muss auf die Beine kommen', habe ich ihm gesagt.
'Ich muss.'
Und doch steht er hier.
Es ist dunkel hinter ihm
und die Kälte drückt gegen seinen Rücken.

"Ich kann nicht mehr", sagt er.

Was kannst du nicht mehr?

"Ich kann nicht mehr warten."

Ich seufze.
Ich habe nicht viel nachdenken können, obwohl ich es wollte.
Habe weder gegrübelt,
noch Entschlüsse gefasst.
Und doch bin ich mir eines sicher.

"Deine Gewalt..."
und dabei kann ich nur auf meine Socken sehen.
"Deine Gewalt kann ich nicht mehr..." ,sage ich.

Er streckt die Hand aus, als er spricht.
In der Innenfläche sind blaue Zeichnungen.
Kleine Blutbahnen, ein Netz.
"Dann tu mir das nicht mehr an."

Mutter tritt in den Flur.
Ihre Haare nach oben gesteckt
und die Haut nach Badezusätzen duftend,
wirkt sie plötzlich jünger.
Sie bittet uns hereinzukommen.
"Es wird kalt" ,sagt sie.

Da lässt er die Hand sinken.
Und ich schließe die Tür.
Sehe die Nähte an seiner Schulter.
Doppelreihig.
Als ich keinen weiteren Schritt tue.

Und Finger um mein Handgelenk geschlossen,
fest und dringend,
finde ich mich alsbald in meinem Zimmer wieder.
Ein schwaches Licht
durch die halb herabgelassenen Rollläden.

Ich möchte mich zur Nachttischlampe wenden,
sie anknipsen,
doch er hält mich zurück.
Und ich verringere den Abstand zwischen uns.
Erneut.
Und er fragt "Ekelst du dich?"
und das bringt mich fast zum Lachen.

Sein Hals ist nicht zu muskulös
oder dürr.
Die Haut ist straff.
Sie fühlt sich gut an,
doch ich berühre sie nicht. Nicht jetzt.

"Darf ich bleiben?"

Und es ist das Urteil.
Als ich nicke.

Wir entscheiden, schlafen zu gehen.
Drehen einander den Rücken zu,
als wir uns ausziehen.

Erst die Hosen,
beide landen auf der Lehne des Stuhls.
Die Socken.
Die Pullover.
Unterhemd und T-Shirt.
Und ich greife nach den Ösen des BH's,
als seine Hände mich daran hindern.
Lautlos schiebt er die Träger von meinen Schultern.

Ich möchte nach Luft japsen,
als seine Hände über meinen Bauch nach oben streichen,
kurz vor meinen Brüsten halten.
Seine Daumen verüben einen fordernden Druck.

Er geht um mich herum,
senkt den Kopf,
umfasst jede Brust mit einer Hand,
bevor er einen Kuss auf der linken hinterlässt.

"Ich möchte dich fesseln..."

In dieser Position verweilend,
die Lippen an meiner Haut knapp über der Brustwarze,
sagt er "...und knebeln. Verstehst du?".

Du willst Besitz ergreifen. Ja, ich verstehe.

Wirst du jeden umbringen, den ich ansehe?

Hast du früher aus Langeweile zugeschlagen,
doch nun wirst du es aus Eifersucht tun?

Ich hasse deine Gewalt.
Aber dich zu verurteilen,
das schaffe ich nicht.

Und seine Schwester kann ich auch nicht sein.
Vor der ganzen Welt kann ich mich ekeln,
aber nicht vor ihm.

An seinen Armen
an seinem Rücken
auf Hautpartien an seinem Bauch
sind blaue Flecken.

Ich rieche seine Haare.
Und denke.
Lass uns
hinter Masken versteckt
küssen.






9.Dezember '07 - 1.Mai '08



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