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Ein schwerer Traum.
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Wenn im Kopf jedes Menschen eine Melodie spielt. Immer wieder und wieder. So ist das die von Helen:



Und das war der Ausgangspunkt.
Wobei das nichts erklärt.


Porzellan

~1~
Der 14. November.
Die grauen Wolken hingen so tief, ich dachte ich würde mir gleich den Kopf stoßen.

Dramatisch.
Meine Schwester musste immer übertreiben.
Selbst jetzt noch.

"Mein Beileid." ,sprach man zu mir im vorbeigehen.

Hätte ich 'Danke' sagen sollen?

Man sah mich an, wie den Eifelturm.
Ungläubig irgendwie. Auf eine dumme, verletzende Art und Weise.
Dass ich überhaupt aufkreuzte, wunderte mich selbst am meisten.

"Helen. Du bist zu spät."

Und das kam noch hinzu.
Die Halbglatze höchstpersönlich.
Spätestens in dem Moment wusste ich wieder, warum ich sie nie besuchen kam.

"Tatsächlich."

Ich legte eine gelbe Rose auf das Grab.
Zu all den anderen gelben Rosen.

Dann wollte ich wieder gehen.

"Wo willst du hin?"

"Nach Hause.“

"Wir müssen reden."

"Ja, müssen wir das?"

"Das ist Viktor. Elenor's Sohn."

Ich wandte mich herum.

"Dein Sohn."

"Nein."

Er lächelte sonderbar. Vielleicht ein bisschen verzweifelt.

"Auch gut.
Es interessiert mich nicht. Das ist dein Problem, nicht meins."

"Du bist immer noch eine arrogante Schlampe."

"Aus deinem Mund ist das ein Kompliment, Bernd."

Er schnaufte wie ein Stier.
Ich besah mir den Jungen, der neben ihm stand.
Dürr, zu langes Haar, rotgeheulte Augen.
Der Sohn meiner Schwester. Ja. So sah er auch aus.

"Jetzt, wo Elenor tot ist-"

"Gott sei ihrer Seele gnädig."

Er zog die Augenbrauen zusammen.

"Wie auch immer. Ich gehe nach Ungarn."

"Oh, das ist natürlich eine gute Nachricht."

"Du nimmst Viktor mit zu dir."

"Hast du immer noch dein Alkoholproblem?"

Schade, dass er darauf nicht einging.

"Oder sagen wir es so: Ich nehme ihn nicht mit. Alles andere überlasse ich dir."

"Und du nennst mich arrogant. Langsam finde ich dich richtig witzig."

Die Fratze, die er zog, war abscheulich.
Eine Mischung aus Wut und noch mehr Wut und zu viel Stolz.

"Lächerlich, Bernd. Wirklich."

"Er ist nicht mein Sohn."

"Aber er war es bis Vorgestern."

Der Junge machte während des Gespräches keinen Mucks.
Starrte nur auf das Grab.
Paralysiert beinahe.

"Wie alt ist er?"

"15, richtig, Viktor?!"

Er hob den Blick und öffnete den Mund.
Es kam kein Laut heraus.
Nur eine weiße Atemwolke.

Dann sah er zu mir.

"Wie lange brauchst du, um deine Sachen zu packen?"

"Zwei Stunden."

Seine Stimme war nicht wackelig oder dünn.
Ich hätte das erwartet. Deswegen war ich umso erstaunter.

"Wie lange brauchst du, um dich zu verabschieden?"

Er schwieg. Die Hände tief in den Jackentaschen vergraben.

"Morgen?"

"Heute." ,sagte er.

Und lief los. An mir vorbei.
Durch das Friedhofstor.
Die Straße entlang.
Ohne ein weiteres Wort.

"Gibt es etwas, das ich wissen muss?"

Er strich sich mit der flachen Hand über die wenigen Haare auf seinem Kopf.

"Frag ihn halt selbst."

"Liebreizend wie immer."

"Halb vier."

"Und dann auf nimmer Wiedersehen."

"Ich kann es kaum erwarten."

Und damit ließ er mich stehen.

Ich hörte ein Feuerzeug klicken. Eine Autotür zuschlagen.

Es war kalt an diesem Tag.
Nur eine Frage der Zeit bis der Regen einsetzte.

Ein Meer aus gelben Rosen.
Das war nach ihrem Geschmack. Sicher sah sie von oben herab.
Und grinste ihr krankes Grinsen.

Nicht weit von mir entfernt stand eine Statue aus Stein.
Alt und voll Moos.
Ein Engel mit Flügeln größer als sein Körper.

Ich hörte ihn entrüstet nach Luft schnappen.
Und zeigte ihm den Mittelfinger.


~2~
"Küche und Wohnzimmer, Bad, mein Zimmer, dein Zimmer. Klar?"

Er sah mir direkt ins Gesicht, wenn ich mit ihm sprach.

"Ja."

"Gut. Wenn du etwas kaputt machst, sag Bescheid und versuch nicht es zu verbergen. Ich werde es eh mitkriegen. Und wenn du Freunde einlädst-"

"Ich habe keine Freunde."

"Umso besser."

Da war sein Blick, der sich direkt in mein Fleisch bohrte.

"Was siehst du mich so an?"

"Helen."

"Ja?"

"Ich wollte nur sichergehen."

"Sichergehen?"

"Ich pack jetzt aus."

Er verschwand in seinem Zimmer.

'Oh Gott.' ,dachte ich nur.
Oh Gott.

Ich lief ihm nach und sah ihn auf dem Boden hocken.
Zwischen dem Saum des Sweatshirts und der Hose blitzte ein Stück weiße Haut heraus.
Mit den Augen verfolgte ich den Verlauf seiner Wirbelsäule.
Ein fabelhafter Rücken.

"Ist alles in Ordnung?"

Er drehte sich nicht zu mir um.
Kramte bunte Hefter aus einer der Kisten.
Und schwieg.

Ich wartete ein paar Minuten.

Die Luft wurde stickiger.
Bis er sich nicht mehr zusammenreißen konnte.

"Ich habe keine Freunde habe ich gesagt und dich interessiert es nicht."

"Ich hatte auch keine Freunde während meiner Schulzeit."

"ICH habe keine Freunde."

"Was willst du hören?"

"Das tut mir leid."

"Okay: Das tut mir leid, Viktor."

"Sprichst du immer so gelangweilt?"

Ich stieß mich von der Wand ab, an der ich lehnte und setzte mich auf die Bettkante.

"Ja."

"Wieso gehst du nicht darauf ein, wenn ich dich beleidige?"

"Warum sollte ich?"

Er kaute auf seiner Lippe herum.

"Du solltest nicht so klug reden. Du bist erst 15."

"Du hast mir gar nichts zu sagen! Du bist nicht meine Mutter."

"Eben. Ich bin nicht deine Mutter. Also erwarte von mir kein Mitleid."

Ich war erstaunt. Positiv überrascht.
Auch wenn er jetzt keine Antwort wusste.

"In einer halben Stunde gibt es Essen."

Er hielt inne bis ich das Zimmer verlassen hatte.

"Ich habe keinen Hunger."

Mein Grinsen langte von einem Ohr zum anderen.
Und das war etwas Besonderes.

"Doch, den hast du."

Exakt eine halbe Stunde später tauchte er in der Küche auf.
Setzte sich an den Tisch.
Und aß bis der Teller völlig leer war.


~3~
Um zwei in der Nacht gongte die Uhr.
Ich stieg auf einen Stuhl, um sie abzunehmen.
Rutschte aus.
Und fiel wie ein Mehlsack auf den Boden.

Es war kein Gepolter.
Nur ein Plumpsen.
Wie ein Mehlsack eben.

Ich blieb liegen und starrte an die Decke.
Die Wanduhr mit beiden Armen fest umklammert.

Eine Tür knarrte.

"Helen?"

"Ich bin vom Stuhl gefallen."

"Wolltest du dich erhängen?"

"Ja. Aber ich hab den Strick vergessen. Dummerweise."

Er seufzte.
Schier herzzerreißend. Hätte ich denn eines.

"Ich kann nicht schlafen."

"Denk an was Trauriges und heul dir die Augen aus dem Kopf.
Danach wirst du schlafen wie ein Stein."

Es war zu dunkel.
Sein Gesicht konnte ich nicht sehen.
Dazu hätte ich außerdem meinen Kopf in seine Richtung drehen müssen.

"Ich wollte dich noch fragen, warum du allein lebst.
Aber das hat sich geklärt."

"Ja? Sag mir den Grund."

Er schnalzte mit der Zunge.
Frecher Bastard.

"Komm, das ist deine ultimative Chance mich bis auf's Blut zu beleidigen."

Normalerweise bin ich nicht streitsüchtig.
Aber er hatte mich herausgefordert.
Und mein Geist war zu schwach um zu widerstehen.

"Keine Lust. Ich geh ins Bett."

Er ließ lautstark die Tür ins Schloss fallen.
Die blanke Provokation.

Die Uhr tickte nah an meiner Brust.
Fast wie ein Herzschlag.
Nur ging der um einiges rasanter.

Ich hörte mir selbst beim Atmen zu.
Wie ich es so oft tat.
Aber ich konnte mich nicht recht darauf konzentrieren.
Es war zum verrückt werden.

"Viktor?"

Es regte sich nichts.
Ich wollte nicht noch ein Mal rufen.
Irgendwie war ich alarmiert.
Und ging in sein Zimmer.

Er saß auf dem Boden.
Wie am Nachmittag bereits.
Das Schlafanzugoberteil lag neben ihm.
Strahlend weiße Haut lachte mir entgegen.

Wie obszön, dass ich sie am liebsten abgeleckt hätte. Haha.

Ich ging zum Fenster und zog die Vorhänge zu.
Es war Vollmond gewesen.
Kein Wunder, dass er nicht schlafen konnte.

Als ich mich umdrehte und ihn ansah, erschrak ich.
So heftig, dass ich zurücktaumelte und gegen die Heizung stieß.

"Was machst du da?"

"Ich schneid mir die Pulsadern auf."

Er kratzte sich mit einer Stecknadel über die Brust.
Autsch. (Das war zunächst das erste, was mir dabei einfiel.)

"Ironie ist was Feines, ich weiß."

Sein Blick traf mich wie eine kalte Dusche.
Hass?
Ich weiß nicht mehr genau.
Weil ich zu arg damit beschäftigt war, dass meine Knie sich nicht verflüssigten.

"Okay, hör auf damit."

Meine Stimme zitterte fast so sehr wie meine Hand.
Als ich ihm die Nadel wegnahm.
Er wehrte sich nicht.
Eher noch lächelte er. Ganz leicht. -Vielleicht bildete ich es mir nur ein.

"Es blutet ein bisschen.
Wenn ich es weglecke, brennt es. Eigentlich hättest du das verdient."

Er grinste schief. Dass mir seine Eckzähne entgegenblitzten.

"Dann tu es doch."

Ich war kurz davor.
Wirklich ganz kurz davor.

Aber er war anscheinend verrückt geworden.
Total durchgeknallt mit seinen 15 Jahren.
Ich wollte nicht die Irrste im Raum sein.

Also stülpte ich ihm seinen Schlafanzug wieder über den Kopf.

"Geh schlafen.
Und zerkratz das nächste Mal mich."

Sein Grinsen verschwand.

"Da steh ich drauf."


~4~
Meine Schuhe machten keine Geräusche auf dem Boden.
Die Sekretärin drehte sich immer wieder um.
Ob ich ihr denn noch folgte.

Was hatte ich denn für eine Wahl?!

Vor einem Zimmer ohne Aufschrift blieb sie stehen.

"Er war wirklich nicht mehr zu beruhigen..."

Jaja.

Sie öffnete die Tür und ließ mich hereingehen.

Ein hässlich, steriles Zimmer.
Fenster mit Scheiben aus Milchglas.
Zwei Betten auf jeder Seite.

Auf einem lag er.
Die blau/weiß gestreifte Decke bis zur Nase hochgezogen.
Unten schauten die Füße heraus.
Schwarze Socken mit gelben Punkten.

"Hey."

Er riss die Augen auf.
Sprang aus dem Bett.
Schlitterte über den glatten Boden.
Und drückte sich so eng gegen mich, dass ich momentelang keine Luft bekam.

Seine Haare rochen nach Kotze.

"Nach Hause?"

Er nickte heftigst.
Ließ aber nicht los.

"Soll ich dich tragen?"

Mir wurde kalt, als die Hitze seiner Wange von meinem Hals verschwand.
Unwillkürlich.

"Wenn es ihm Morgen noch nicht besser geht, rufe ich an."

Die nette Frau nickte. (Ihre Locken aus Beton bewegten sich dabei keinen Millimeter.)
Schüttelte meine Hand und zeigte uns/mir den Weg nach draußen.

Im Auto sank er fast in sich zusammen.

"Ich hab es nicht mehr ausgehalten."

"Okay."

"Okay?! Das ist alles?"

Er hatte Tränen in den Augen.
Ich verstand nicht warum.
Und schwieg deswegen bis wir in der Wohnung waren.

Auf dem Boden lag die Wanduhr.
Und tickte und tickte und tickte.
Er trat beinahe auf sie, als er schnurstracks ins Bad rannte.
Duschen.

Ich erhitzte eine Tasse Wasser.
Gab Teebeutel und Zucker hinzu.
Dann goss ich das Zeug in den Abfluss.
Er hasste Tee.
Da war ich mir sicher. Wie dumm.

Zwei Minuten stellte ich mich neben die Badezimmertür.
Es war still geworden. Unheimlich still.

"Viktor?!"

"Komm rein." Hatte er bemerkt, dass ich wartete?

Er stand vor dem Waschbecken und sah in den Spiegel.
Der beschlagen war.

"Tut die Brust weh?"

"Nein."

"Brauchst du einen Eimer neben dem Bett?"

"Nein."

Ich ging wieder.
Anscheinend wollte er nicht mit mir reden.
Das beleidigte mich.

Doch er kam mir nach.

"Helen?"

Seine nassen Haare tropften den Teppich voll.

"Danke."

Meine Hände und meine Stirn waren schwitzig.
Aber das lag am Wasserdampf.

"Zieh dir was an und leg dich hin."

"Hast du nicht gehört?"

"Doch."

"Warum antwortest du dann nicht?"

"Wird doch langweilig, wenn ich reagiere, wie du es erwartest."

Er schüttelte den Kopf.
Die nassen Haare fielen ihm ins Gesicht.
Einige blieben an den roten Wangen kleben.

"Dann langweile mich!"

"Schrei mich nicht an."

Sein Mund klappte auf. Und wieder zu.

Gespannt wartete ich, wie es weitergehen würde.
In diesem kleinen Kampf.

Es war unspektakulär.

Er kapitulierte und ging ins Bett.


~5~
14. 46 Uhr.

"Bin wieder da."

Schuhe ausziehen. Jacke aufhängen. Rucksack abstellen.

"Helen?"

"Essen ist in der Mikrowelle."

10...
11...
1...
2...
3...

"Was machst du da?"

"Ich zähle meine Atemzüge pro Minute."

Er stand hinter mir.
Aber ich stellte mir vor, wie er die Stirn runzelte.
Ich wusste, dass er es tat. (Aber ich irre mich manchmal.)

"Kann ich mitmachen?"

Beim Gehen klang es dumpf.
Er lief zu sehr auf der Ferse.
Bestimmt hatte er dort eine besonders dicke Hornhaut.

Er setzte sich neben mich.
Stellte seinen Teller auf dem Tisch ab.

"... Ab... Jetzt."

Hochkonzentriert starrte er geradeaus.
Auf den Blumenkübel vor dem Fenster.
Und auf die lange Gardine. Die ich unbedingt wieder waschen musste.

"Nicht so schnell."

Er atmete tief aus.
Schloss die Augen.

"Aber auch nicht zu langsam.
Verkrampf dich nicht. Ganz ruhig."

"Das ist anstrengend."

"Zähl mit den Fingern, dann ist es leichter."

"Wie viel hast du?"

"Neun.
Das Problem ist, dass man sich nicht auf das Atmen konzentrieren darf, sondern nur auf das Zählen."

"Wieso interessiert dich das? Wie oft du in der Minute atmest."

"Weil es keinen anderen interessiert."

"Du bist bescheuert."

"Möglicherweise."

Mit einem Bissen verschlang er ein halbes Fischstäbchen plus Kartoffelbrei.
Ich wollte ihm nicht dabei zusehen.
Das ist unhöflich. Glaube ich.

Ich wollte den Fernseher einschalten.
Aber er war nicht auf Stand-by.
Also stand ich auf und knipste ihn an.
Und Viktor knipste ihn mit der Fernbedienung auf dem Tisch wieder aus.
Noch bevor überhaupt ein Bild entstehen konnte.

Als ich mich wieder setzte, vermied ich, ihn anzusehen.
Schon allein aus Protest.

Kein 'Was ist denn?' oder 'Was fällt dir ein?' oder 'Hast du ein Problem?!'.
Schließlich war ich nicht wütend.
Viel eher verblüfft.
Was noch schlimmer ist.

"Oma hat Übermorgen Geburtstag."

"Keine gute Idee."

"Ich hab doch noch gar nichts gesagt..."

"Gut, dann sag es."

"Gehen wir hin?"

"Das ist keine gute Idee."

"Wieso nicht?"

"Du kannst nach der Schule mit dem Bus hinfahren."

"Wieso weichst du mir aus?"

"Ausweichen ist, wenn ich nach deiner Frage aufgestanden und gegangen wäre.
Aber ich sitze noch."

"Du bist so ein Klugscheißer!"

Er wurde schon wieder laut.
Ich liebte es.
Wie seine Augen angriffslustig funkelten.
Zwischen den Haaren hindurch, die ihm dabei immer ins Gesicht fielen.

"Ein bescheuerter Klugscheißer." Und das meinte ich ernst.

Einen Moment war es still.
Bis er plötzlich zu lachen anfing.
Ein lautes Lachen.
Ein ehrliches Lachen.
Kein künstlicher Scheiß, peinliches Gekicher.
Keine bitterböse Lache.
Ohne Sarkasmus.

Einfach so.

Und ich konnte ihn nur anstarren.
Weil es so wunderbar klang.

Gibt es Hebel und Knöpfe im Kopf...?

"Wenn du unbedingt willst, besuchen wir sie."


~6~
Sie hatte wieder dieses Glas auf dem Tisch stehen.
Mit buntem Inhalt. Nicht zu übersehen.
Süßigkeiten.
Bonbons, Schokolade, Gummibärchen.

Als Kind bekam ich regelmäßig Schelte.
'Frag gefälligst, wenn du etwas willst!'
Pah.

Elenor tat es. Natürlich tat sie es.
Sie war artig.

Ich nahm den Deckel von dem Glas und griff hinein.
Ein weißes Gummibärchen.
Mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand umfasste ich den Kopf.
Mit Daumen und Zeigefinger der rechten die kleinen Stummelärmchen.
Und dann zog ich ihm den Hals lang.
Er dehnte sich.
Riss an den Seiten ein und schließlich ganz ab.

"Du bist ja brutal."

Ich steckte mir den Kopf in den Mund.
Und hielt ihm den Köper vor die Nase.

"Er war ein Krüppel, siehst du?! Ihm fehlt ein Bein."

"Du hast ihn von seinem Leiden erlöst."

"Nein.
Ich reiße gerne Köpfe ab."

Meine Mutter kam mit einem Tablett auf dem Arm angetrippelt.
Feinstes Geschirr.
Der Tee duftete so stark, dass mir übel wurde.

Sie stellte Viktor ein Glas Orangensaft hin.

"Wie schön, dass ihr mich besucht."

Dass sie dabei nur ihn ansah, muss ich nicht erwähnen.

Dann musterte sie mich.
Lächelnd. Kritisch.

"Du hast schon wieder genascht, Helen."

"Gibt's jetzt was auf den Po?"

Sie zählte innerlich bis 10.
Naja.
Bis 8 1/2. In meiner Geschwindigkeit.

"Viktor, ein Stück Käsekuchen?"

"Äh, ja, Danke."

"Helen?"

"Danke. Ich habe keinen Hunger."

"Weil du vorher unbedingt naschen musstest."

Hätte sie mich dabei angesehen.
Hätte sie es streng gesagt.
Wäre sie erzürnt und aufgebracht gewesen.
...
Aber nicht so!

Spöttisch.

Blöde Ziege.

Ich wollte ihr ins Gesicht spucken.
So wie früher. Das waren noch Zeiten.

"Nein, Mama. Weil du Rosinen reingemischt hast, obwohl du genau weißt, dass ich sie hasse. Und weil du mir immer die größten Stücken gibst. Aber nicht, weil du mich gern hast oder es mir gönnst. Nein. Du weißt genau, dass ich schnell zunehme und dass ich hart kämpfen muss, um so auszusehen. Ich scheiß auf deinen Kuchen, der immer zu süß ist. Und ich scheiß auf deinen Tee. Ich hasse Tee, Mama. Ich hasse Tee, ich hasse Rosinen und ich hasse-" dich.

Wie kindisch.

Mir kamen die Tränen.

Zehn Minuten. Lächerliche zehn Minuten hatte ich es ausgehalten.
Mit meiner Mutter.
Mit meiner Mutter...!

Ich riss meine Jacke mitsamt Haken vom Kleiderständer.
Der scheppernd auf den Boden krachte.
Ich lief auch barfuss durch den Schnee.
Weil Schnürsenkel binden so lange dauert mit verschwommener Sicht und zitternden Händen.

Die Schuhe warf ich auf den Rücksitz des Autos. Und die Jacke. Und den Haken.
Als ich einsteigen wollte, kam Viktor.

"Helen? Alles okay?"

"Ich hab dir gesagt, dass es keine gute Idee ist."

Ich musste mir die Lehne schräger stellen.
So konnte ich besser gegen das Lenkrad boxen während der Fahrt.
Denn ich war mir sicher, dass ich das Bedürfnis dazu haben würde.

"Um genau zu sein, war es eine beschissene Idee.
Be- Schiss- Hen!"

Der Motor ging mir zu leise.
Ich wollte ihn jaulen hören.
Aber ich verkniff mir alles.

"Fährst du mit?"

"Ich hab die Jacke noch drin."

"Dann fährst du mit dem Bus."

"Halt! Ich... komm mit."

Hastig ging er zur Beifahrertür.
Ich rührte wie mit dem Holzlöffel im Gulasch, als ich den ersten Gang einstellte.
Streifte fast das Auto vor mir, als ich ausparkte.
Bremste zu scharf, als die Ampel rot wurde.
Und ließ den Motor abkacken, als ich wieder losfahren wollte.

Scheiß Kupplung.
Scheiß Gespräch.
Scheiß Schnee.
Scheiß Kleiderständer.

Das war ein verdammter Scheißtag.


~7~
Meine Fingernägel waren noch niemals so kurz.
Der Daumen schmerzte.
Zu tief. Zu weit.

Halb acht begann es hell zu werden.
Und ich war erleichtert.

Summen klingt unwahrscheinlich laut.
In einem leeren Zimmer.
Nach neun Stunden dröhnender Stille.
In meinen Ohren.

Die Tür ging auf.

"Helen."

"Viktor?"

"Helen?!" Er zog eine Grimasse.

Verdammt.
Es war schwer.
Mir das Lachen zu verkneifen. Verdammt.

"...Schule?"

Er kratzte sich an der Stirn.
Oder am Hals. So genau sah ich nicht hin.

"Darf ich zu dir ins Bett?"

"Konntest du wieder nicht schlafen?"

Anstatt einer Antwort, kam er herüber.
Unter die Decke.
Seine Haut war so kalt wie die Balkontürklinke um die Zeit.
Oder Schnee. Wenn man sich keine Schuhe anzieht...
Oder der Wind an der Ostsee im Winter.
Naja. Nicht ganz so kalt.

Die Sonne lugte bereits über die Dächer.
All das Rosa, das Orange, das Lila verschwand.
Es blieb nur das Hellblau.

"Ich hab es mit deinem Trick versucht."

"Hat es funktioniert?"

"Ja. Aber ich bin immer noch müde."

"Gehst du deswegen nicht in die Schule?"

Als ich ihn ansah, schaute er weg.
Nicht bockig. Und auch nicht schuldbewusst.
Etwas anderes.
Die Lippen fest aufeinander gepresst.

"An was hast du gedacht?"

"Hä?"

"Was hat dich zum weinen gebracht?"

Er überlegte.
Ein bisschen zu lange, denke ich.

"Mama. Ich vermisse sie."

Ich hatte dazu nichts zu sagen.
Die Frage hätte ich nicht stellen sollen.
Das war wirklich dumm von mir.

Es blieb eine Weile still.
Eine ganze Weile.
Im Raum. Aber nicht in meinem Kopf.
Denn da rauschte ein Wasserfall.

Ich hätte, ich sollte, ich müsste.
Daran dachte ich.
Ich hätte ihn fragen müssen, wie es ihm geht.
Ich sollte ihn trösten.
Ich müsste mich ändern.

Daran dachte ich.

Und ich wollte das hätte nachholen. Das sollte tun und das müsste versuchen.

Aber feigerweise konnte ich ihn nicht mal ansehen.
In diesem Moment.
Und im nächsten und über-über-übernächsten auch nicht.
Mutig war ich ja noch nie.

Ich legte mich wieder hin (nach langem Zögern...) und sah eine Zeit lang an die Decke.
Dieser blöde Riss da oben.
Wäre er nicht gewesen, hätten meine Augen nichts zum fixieren gehabt.
Dann hätte ich nichts zum starren gehabt.
Der blöde Riss.

Und irgendwann schielte ich dann zur Seite.
Ganz unauffällig nur. Natürlich nur unauffällig. Unnötig unauffällig.
Er schlief. (Und, oh Gott, wie er da lag...!)

Ein Seufzer wäre befreiend gewesen.
Aber das wagte ich nicht.

Ich lag nicht sonderlich bequem.
Aber mich zu bewegen, wagte ich erst recht nicht.

Wie gesagt: Mutig war ich noch nie.

Und es verging eine Stunde. Und mehr.

Und ich war erschöpft vom nicht seufzen.
Vom nicht bewegen.
Vom kaum atmen.
Vom zusehen.

Aber auch das einschlafen wagte ich nicht.

(Nur hatte das nichts mit Feigheit zu tun...)


~8~

Dam- dam dam,
düdelüdelü,
dam dam,
düdelüdelü,
dam dam dam,
dam- dam dam dam.

Dam -dam dam...


"Viktor...?"

Ich war nur kurz einkaufen gewesen.
Fünfzehn Minuten höchstens.

Düdelüdelü...

Die Mandarinen rollten über den Boden, als ich den Beutel fallen ließ.
Eine stieß gegen die Uhr.
Und blieb dort liegen.

Dam- dam dam,
düdelüdelü,
dam dam...


Es roch unangenehm.
Ich kann nicht sagen wonach.

"Viktor?"

In seinem Zimmer war er nicht.
Auch nicht im Schrank oder unter dem Bett.

Die Melodie war leise.
Aber durchdringend. Bis ins Mark.

Sie kam aus dem Bad.
Sie kam von da, wo er war.

Denn er stand mitten im Raum.
Etwas gegen die Brust gedrückt.
Als ich eintrat, sah er mit glasigen Augen direkt... durch mich hindurch.
Und ich bekam schreckliche Angst.
Um ihn. Wegen ihm.

Ein Blutgerinnsel von der linken Augenbraue bis zur Wange.
Die Unterlippe angeschwollen.

Dam- dam da-. Stille.

Er wollte wieder an der Schnur ziehen. Wieder die Melodie. Wieder.
Doch ich hielt seine Hand fest.
Und ließ sie nicht mehr los.

"Sie haben mich geschlagen. Ins Gesicht."

"Wer?"

"Die mögen mich nicht."

"Welche aus der Schule? Bist du deswegen schon zu Hause?"

"Je unauffälliger du sein willst, desto mehr fällst du auf."

Oh nein.

'Es ist gut. Alles ist gut.' ,wollte ich sagen.
Aber das war es nicht. Es war nicht gut.
Es kam nicht von meinen Lippen.

Ich nahm meine Hand von seiner und setzte mich auf den Badewannenrand.
Und da fing er an zu weinen.
Ganz leise nur. (Ebenso leise fielen weitere Steine meiner Mauer.)

Da wusste ich plötzlich weder ein noch aus.
Zum ersten Mal.

Es war nicht zum aushalten.

Diese ganze Situation. -Wie konnte ich da nur hineingeraten?
Diese Hilflosigkeit. -Die ich nur vom hören in dieser Form kannte.
Diese aufsteigende Panik. -Die mir nur noch mehr Angst machte, als ich so schon hatte.
Diese Wut. -Kochend heiß brodelnd im Bauch wie Lava, ätzend wie Salzsäure.

Ich musste etwas tun. Wirklich, das musste ich.

Also tat ich das erste, was mir in den Sinn kam:

"Hast du heut überhaupt schon was gegessen?"

Und ich zog ihn in die Küche und setzte ihn an den Tisch.
Ich kochte und brutzelte. Ein Menu für vier Personen. Mindestens.
Und reihte unendlich viele Sätze aneinander.
Die allesamt so vollkommen, so vollkommen sinnlos waren.
Bis mein Mund, mein Hals ausgetrocknet war.

Um ihn abzulenken.
Damit er sich besser fühlte.

Doch das tat er nicht.

Es wurde nicht besser. Einfach nicht besser.
Wie eine Wunde, die nicht aufhört zu bluten.
So hörte er nicht auf zu weinen.
Den ganzen Tag nicht mehr.




Tick, tack, tick, tack...


~9~
"Hey. Warten sie auch?"

"Ja."

Warum diese Frau mich ansprach, war mir unbegreiflich.
Wirklich.
Eigentlich tat das nie jemand.
(Darüber war ich auch immer reichlich froh gewesen.)

"Welche Klasse?"

"Neunte."

"Wie Bitte?"

"Er geht in die Neunte."

"Achso. Meiner ist gerade erst in der Siebten."

Es klingelte. (Ich zuckte zusammen dabei. Oh man.)
Die ersten Kinder strömten aus dem Eingang.
Mir wurde bewusst, wie laut die sein können. Kinder.

Einer mit gestreifter Mütze kam auf mich zu.
Ich wollte schon anfangen mich zu wundern, da ging er zu der Frau von gerade.
Sie gab ihm einen Kuss auf die Stirn.

"Tschüss. Ihr Sohn kommt sicher auch gleich."

"Er ist nicht-"

Mh. Irgendwie...
Sie lächelte. Das tat sie schon die ganze Zeit.

"...sonderlich pünktlich. Damit hat er's nicht so.
Tschüss."

Ich sah ihr nach.
Das war faszinierend. Sie. Ihr Sohn. Alles.
Faszinierend. Frustrierend.

Die Zeit verging.
Nach 20 Minuten kam keiner mehr aus der Tür.
Ich spürte nicht, dass da etwas nicht stimmte.
Es wäre schlichtweg gelogen, das zu behaupten.

Aber es war kalt gewesen.

Also sah ich nach.
In der Garderobe.
Auf dem Schulhof.
Und hinter der Schule.

Da standen ein paar Jungs auf der angrenzenden Wiese.
Neben einem Baum.
Doch da war keiner mit Haaren wie Viktor.
Ich wollte schon wieder gehen.
Ich war schon fast um die nächste Ecke.

Aber ich drehte mich noch einmal um.

Und bemerkte, dass da jemand auf dem Boden lag.
Die anderen sahen zu dem Bündel hinab.
Sagten irgendwas. Ich konnte es nicht verstehen.
Plötzlich trat einer zu. Bösartig.

Ich ging näher heran.
Normalerweise hätte ich das nicht getan.

Es war Viktor.
Er war es.
Der da lag. Der da getreten wurde.
Das war Viktor.

Im ersten Moment wurde mir speiübel.
Im nächsten bekam ich Kopfschmerzen.

Und dann kam der Zorn.

Sie hatten mich nicht bemerkt. Keiner von denen.
Ich nahm das erstbeste in die Hand, was ich kriegen konnte.
Rannte. (So schnell, dass mein Verstand nicht hinterherkam...)
Und trümmerte einen von ihnen den Stein gegen den Schädel.
-Er ging zu Boden.

Einer wollte wegrennen.
Den packte ich am Ärmel.
Schlug ihm mit der Faust ins Gesicht.
Und schleuderte ihn mit dem Kopf gegen den Baum.

Der Dritte war gestolpert.
Ich würgte ihn.
Ich würgte ihn so fest, dass ich selbst keine Luft mehr bekam.
Und ich hätte ihn umgebracht.
Ja, das hätte ich.
Ich hätte so lange zugedrückt, bis ihm die Augäpfel herausgequollen wären.
Und noch länger.
Damit er auch ganz sicher tot ist.

Aber da hörte ich Viktor wimmern. Und hielt inne.

Er war aufgestanden.
Das Gesicht verzerrt, mit krummer Haltung.
Schmerzen.
Ich glaube, es war nicht sein Bedürfnis mich aufzuhalten.
Er hatte nur Schmerzen gehabt. Glaube ich.
(Aber das tut nichts zur Sache.)

Ich ließ von dem heulenden Jungen unter mir ab.
Der röchelte und würgte.
Das war mir egal.
Der andere blutete aus dem Kopf. Der nächste aus der Nase.
Das war mir noch mehr egal.

"Kannst du laufen?"

Mein Herz pochte wie wild.
War das die ganze Zeit so gewesen?
Ich glaubte, es würde mir gleich die Rippen brechen.
So fühlte es sich an. Hämmernd.
Das ist natürlich Quatsch.

"Sind sie tot?" ,keuchte er.

"Nein. Soll ich...?"

Er blinzelte ein paar Mal.
Ob er wirklich über die Antwort nachdenken musste?

"Nein."


~10~
Zwei Tage vor Weihnachten kam man mich holen.

Im ganz großen Format.
Es klingelte an der Tür und Viktor machte auf.
Und sie stürmten in die Wohnung.
Wie Ameisen. (Aber eigentlich waren es nur drei.)

Ich glaube, ich hatte nicht das Recht mich zu beschweren.
Deswegen sagte ich gar nichts.
Sie drückten mich gegen die Wand und legten mir Handschellen an.

Schwere Körperverletzung und Mord oder sowas.
Totschlag?!
Man hätte darüber lachen können. -Ich hatte niemals zuvor jemanden geschlagen...
Hätte, hätte, hätte. Ich habe es nicht. Mir war nicht danach zumute.

Aus den Augenwinkeln konnte ich ihn sehen.
Regungslos.
Wie der Engel auf dem Friedhof.
Komisch, dass mir der Vergleich erst da einfiel.
Naheliegend.
Und trotzdem habe ich es nicht bemerkt.

Ich glaube, er zitterte.
Ich tat es auch.

Man zerrte an mir herum.
Richtung Tür.

"Helen? Helen?" Da lag so viel Angst in meinem Namen.

"Wann kommst du wieder? Zu Weihnachten?
Bist du zu Weihnachten wieder da?"

Sie zogen, drückten und schoben.
Meine Handgelenke schmerzten so sehr von ihrer Grobheit.
Schürften meine Haut ab.
Die unberührte Haut.

"Wann kommst du wieder?"

Ich weiß nicht, ich weiß nicht, ich-

Knirsch.





Er war drauf getreten.
Zuckte zusammen, wich zurück.
Sah mich an mit großen Augen.
So groß wie meine.

Kaputt. Die Uhr.

Sie hatte mir nichts bedeutet.
Hatte keinen Wert für mich.
Keinen Wert... keinen...
Jetzt lag sie in Trümmern.
Und sie tickte nicht mehr.
So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte es nicht hören.
Das Ticken.

Er weinte wieder.

Umarmen, wollte dich umarmen. Ganz fest und lange.
Dir tausend Küsse auf die Stirn drücken.
Und in dein Ohr flüstern. Wispern. Singen.
Alles ist gut. Alles ist gut. Mama ist ja da.

So lange. So lange. So lange.
Ich wollte.
Ich wollte es seit ich dich am Grab stehen sah.

Für dich da sein.
Hätte alles für dich aufgegeben.
Meinen Stolz. (Denn mehr hatte ich nicht.)

All mein Wünschen. Insgeheim.
Vergebens.

"Helen! Wann kommst du wieder?"

In ein paar Jahren?
Irgendwann?

Nie mehr.

Es tat mir weh.
Mein Herz. Mein Herz. -Das bereits seit Jahren verschollen galt.
Mein Herz, es...
Mein Herz, es lag in Trümmern.

Direkt vor deinen Füßen.

Ich hab das Schreien der Uhr nie gehört.
Einfach nicht gehört.

Tick, tack, tick, tack.

Zu spät. Zu spät.
Es ist zu spät für...



Ich hab alles falsch gemacht.


~Ende~




Porzellan 12.09. - 06.12.05

...your setting sun
your broken drum
your little drugs

I'll never forget you
never
forget
you



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