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Ein schwerer Traum.
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Bis elf lag ich mit Paps in der Stube auf dem Sofa, er auf der langen, ich auf der kurzen Seite, die Köpfe beieinander, irgendeinen Schund gucken.
Als ich daraufhin in mein Zimmer kam, mich auf's Sofa setzte und bedröpfelt vor mich hin glotzte, bemerkte ich ein dutzend Ameisen rings um meinen Wäschefrosch. Ich versuchte sie, in meiner fiebrigen Schusseligkeit, alle zu töten, doch. War es wie mit den Radfahrern und den Fußgängern.
Egal, wie viele man umnietet. Es wird immer wieder neue geben.

Daraufhin ging ich in die Küche, um mein Penicillin zu schlucken, trank -verbotenerweise- Limo, um die Tablette runterzukriegen und sah, während sich die gelbliche Flüssigkeit mühevoll an meinen gewaltigen Mandeln vorbeischlich eine Ameise am Küchenschrank. Ich beobachtete sie einige Sekunden voll Staunen. Dann sah ich zu meinen Füßen und entdeckte weitere zwei. Dann drehte ich mich um, sah zur Tür, hinter welcher sich ein ganzer Schwarm fröhlich tummelte. Mit der Flasche in der Hand, die ebenso offen stand wie mein Mund, verfolgte ich mit den Augen die Ameisenstraße, die einmal zum Katzennapf, einmal zum Lüftungsschacht und einmal die Kante der Wand nach oben verlief.

Man könnte es kurz 'Ameisenplage' nennen. In dem Moment, letzte Nacht kurz vor zwölf, war es für mich aber nur ein Reiskorn, welches zu all jenen anderen Reiskörnern in meine Reiskornschüssel fiel.
Und ich schrieb Mumschka einen Zettel, legte ihn ins Bad, stellte meinen Ventilator an, sagte meinem kranken Mopselpups und den neu dazugekommenen Ameisen in meinem Zimmer gute Nacht und legte mich ins Bett. Um mich eben da einige Stunden schwitzend und frierend zugleich hin und her zu rollen.
Punkt vier wachte ich auf und stellte mit Erstaunen fest, dass ich eingeschlafen war. Ich drehte mich herum, um aus dem Fenster sehen zu können. Draußen fing es bereits an zu dämmern. Unser Hahn krähte, die ersten Vögel zwitscherten bereits, ich schniefte, wischte mir mit dem schweißnassen Handrücken über die Nase. Ich überlegte, ob es lohnenswert wäre, ein wenig zu lesen, setzte mich auf, schniefte wieder, sah einen roten Tropfen auf mein grünes Nachthemd fallen und versickern. Und noch einen.
Sah mich nach einem Taschentuch um. Die Packung lag auf dem Schreibtisch. Seufzte, versuchte mit nur einer Hand die Leiter herunterzuklettern, schaffte es nicht. Musste mit meiner zweiten, blutnassen Hand mich auf das Laken stützen, sah, auf dem Boden angekommen, im Spiegel eine Kalkwand, von schwarzen Zotteln umrahmt, zwei hölzerne Perlen. Die Lippen schimmerten rot, von der Unterlippe hing ein Tropfen, über das Kinn zogen sich drei blutige Straßen.
Das Taschentuch sog sich voll, meine Nase gab auf. Das Blut auf meinen Lippen trocknete, zog sich schmerzhaft zusammen.

Das Waschbecken verlor seine Weißheit, war hellrot gesprenkelt.


Und ich schlief bis um sieben nicht mehr ein.
16.7.07 12:10
 


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